Sicherungen fliegen ständig raus: Ursachen und Lösungen aus Sicht eines Dresdner Elektromeisters
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Sicherheit

Sicherungen fliegen ständig raus: Ursachen und Lösungen aus Sicht eines Dresdner Elektromeisters

01. Juni 2026
FPS Dresden Team

Es ist ein Szenario, das uns in der Praxis fast täglich erreicht: Der Anruf eines aufgebrachten Hausbesitzers aus der Dresdner Neustadt, aus Blasewitz oder aus einem Plattenbau in Prohlis. „Die Sicher...

Sicherungen fliegen ständig raus: Ursachen und Lösungen aus Sicht eines Dresdner Elektromeisters

Es ist ein Szenario, das uns in der Praxis fast täglich erreicht: Der Anruf eines aufgebrachten Hausbesitzers aus der Dresdner Neustadt, aus Blasewitz oder aus einem Plattenbau in Prohlis. „Die Sicherung ist schon wieder rausgeflogen, und das Licht im Treppenhaus geht nicht mehr.“ Was viele als lästiges Ärgernis abtun, ist aus elektrotechnischer Sicht oft ein ernstzunehmendes Warnsignal. Als Elektromeisterbetrieb mit langjähriger Erfahrung in den typischen Dresdner Bestandsbauten möchten wir aufzeigen, warum Sicherungen auslösen, welche spezifischen Risiken in unserer Region bestehen und wann eine professionelle Diagnose unverzichtbar ist.

Die Funktionsweise: Warum Sicherungen überhaupt auslösen

Bevor wir zu den Ursachen kommen, ein kurzer Blick auf die Technik. Elektrische Sicherungen – sei es die klassische Schmelzsicherung in Glas- oder Keramikausführung, die noch vereinzelt in denkmalgeschützten Altbauten der Dresdner Innenstadt anzutreffen ist, oder moderne Leitungsschutzschalter (LS-Schalter) – haben einen einzigen Zweck: Sie schützen Menschen vor Stromunfällen und Gebäude vor Bränden, indem sie den Stromkreis bei Überstrom unterbrechen.

Der entscheidende Unterschied liegt in der Reversibilität: Während eine durchgebrannte Schmelzsicherung ersetzt werden muss, lässt sich ein Automat wieder einschalten. Doch genau hier liegt die Gefahr: Das wiederholte Hochfahren eines ausgelösten Automaten ohne Fehleranalyse kann Kabelisolierungen durchschmoren lassen und im schlimmsten Fall einen Kabelbrand auslösen.

Sicherheitshinweis: Löst eine Sicherung wiederholt aus – auch nach dem Ziehen aller Verbraucher – darf sie keinesfalls durch eine stärkere Sicherung ersetzt werden. Dies ist nicht nur gefährlich, sondern versicherungstechnisch bedenklich und kann die Betriebserlaubnis der Anlage erlöschen lassen.

Die vier klassischen Ursachen im Dresdner Bestand

In unserer täglichen Praxis begegnen uns in Dresden und Umgebung vier dominante Fehlerbilder, die sich aus der spezifischen Bausubstanz der Stadt ergeben:

1. Überlastung: Historische Leitungen treffen auf moderne Elektrowelt

Dresden zeichnet sich durch eine enorme Bandbreite an Wohnbauten aus – von denkmalgeschützten Gründerzeithäusern in der Johannstadt bis hin zu industriell gefertigten Plattenbauten in Gorbitz. Gemeinsam ist vielen dieser Gebäude eine Elektroinstallation, die für die Anforderungen der 1950er bis 1980er Jahre dimensioniert wurde.

Während früher eine 10-Ampere-Sicherung für eine komplette Wohnung ausreichte, fordern moderne Wärmepumpen, Induktionskochfelder oder Wallboxen für E-Autos Leistungen, die alte 1,5-mm²-Leitungen dauerhaft überfordern. Besonders in den typischen Dresdner Altbauwohnungen mit Stuckdecken und originalen Holzdielenböden stellt sich die Frage: Wird die Leitung oder nur die Sicherung warm?

ℹ Regionales Know-how: In vielen Dresdner Denkmalobjekten sind die historischen Kabelkanäle aus Blei oder frühe Kunststoffisolierungen noch im Einsatz. Hier ist eine schrittweise Modernisierung oft wirtschaftlicher als eine Komplettsanierung, erfordert aber präzise Lastberechnungen nach aktueller DIN 18015.

2. Defekte Geräte und Kurzschlüsse

Der klassische Kurzschluss entsteht, wenn Phase und Neutralleiter direkt verbunden werden – etwa durch beschädigte Kabel in Staubsaugern, Wasserkochern oder Weihnachtsbeleuchtungen. In der Praxis lokalisieren wir solche Fehler durch systematisches Ausstecken aller Verbraucher und schrittweises Wiedereinschalten.

Besonders tückisch sind hier defekte Steckernetzteile oder geladene Geräte mit internen Wackelkontakten, die nicht sofort, sondern erst nach Stunden oder Tagen einen Fehler produzieren.

3. Feuchtigkeit: Das Elbflorenz-Problem

Dresdens Lage an der Elbe und das teils hohe Grundwasserniveau in Stadtteilen wie Pieschen, Übigau oder Teilen der Leipziger Vorstadt führen zu einer Häufigkeit feuchter Keller, die anderswo selten ist. Kriechströme über feuchte Isolatoren oder direkter Wassereintritt in Unterputzdosen sind hier häufige Auslöser für FI-Schalter (Fehlerstrom-Schutzschalter).

Besonders in der Übergangszeit Herbst/Winter, wenn die Luftfeuchtigkeit steigt und die Lüftung nachlässt, nehmen die Störungsanrufe deutlich zu. Hier hilft oft nur eine Erhöhung des Schutzgrades (IP-Kodierung) oder die Verlegung von Leitungen außerhalb der feuchten Bereiche.

4. Schlechte Klemmstellen: Das Aluminium-Dilemma

Ein Spezialthema in der sächsischen Landeshauptstadt sind die zahlreichen Wohnungen in Plattenbauten (WBS 70, P2, WHH GT 18), die noch mit Aluminium-Leitungen aus der DDR-Zeit bestückt sind. Aluminium neigt zur Oxidation, wodurch Übergangswiderstände an den Klemmstellen entstehen. Diese führen zu Wärmeentwicklung, die wiederum die Sicherung zum Auslösen bringt – oft ohne dass ein echter Kurzschluss vorliegt.

Hier ist die fachgerechte Verpressung von Aluminium-Kupfer-Übergängen mit speziellen Klemmen oder, langfristig betrachtet, die komplette Erneuerung der Stromkreise erforderlich. \n

Unterscheidung: Sicherungsautomat oder FI-Schalter?

Ein häufiges Missverständnis betrifft die Unterscheidung zwischen den Schutzorganen. Während der Leitungsschutzschalter (LS) bei Überlast oder Kurzschluss reagiert, überwacht der FI-Schalter (RCD) Differenzströme nach Erde. Löst also der FI aus, liegt ein Erdschluss vor – typisch bei Feuchtigkeit oder defekten Geräten mit Metallgehäuse.

Moderne RCBOs (FI/LS-Kombinationen) bieten beide Schutzfunktionen in einem Gerät und sind bei Neuinstallationen oder Teilmodernisierungen in Dresden immer zu empfehlen, da sie sowohl Personen- als